Die Formel 1 ist in Bewegung. Während Ferrari in der ersten Saison der Post-Todt-Ära in Windeseile vom Tal der Tränen in den blauen Himmel der Doppelsiege aufsteigt, fällt ein noch in Melbourne zu Tränen gerührter McLaren-Teamchef Ron Dennis von letzterem ins erstere. BMW Sauber präsentiert sich unerwartet schon in diesem Jahr als das Salz in der WM-Suppe. Doch insbesondere die Fahrer sorgen für Verwunderung. Selbst in Zeiten immer häufiger wechselnder und immer verwechselbarer Helmdesigns bleiben die Formel-1-Piloten zwar meist ihrem Image treu. Doch mit Beginn der Saison 2008 hat sich Einiges getan...
Da wäre zum Beispiel Lewis Hamilton. Mit neun Podestplätzen in Folge schien der Brite in seiner Debütsaison mehrere Evolutionsstufen eines Formel-1-Piloten übersprungen zu haben. Nach dem Rücktritt des in England stets verhassten Michael Schumacher sah insbesondere britische Boulevardpresse einen Nachfolger auf dem Formel-1-Olymp. Erst das WM-Finale in Brasilien warf erste Fragen auf: Hält Hamilton erhöhtem Druck nicht stand? Ist er gar nur ein Mensch? Nach zwei kapitalen Fehlern in Bahrain und nur einem Podestplatz in den letzten fünf Rennen spricht Niki Lauda aus, was in der schnelllebigen F1-Welt viele denken: Hamilton fasziniert mich nicht mehr...
Ob man dem 22-jährigen mit diesem schnellen Sinneswandel gerecht wird, ist zu bezweifeln. Doch auch mit Blick auf Hamiltons Kollegen sind einige Imagewandel zu verzeichnen. So könnte Hamilton ausgerechnet bei Fernando Alonso Trost finden. Der zweifache Weltmeister wird nach vollmundigen Ankündigungen, aber nicht nur durchweg weltmeisterlichen Leistungen im Renault als entzaubert betrachtet. Ein zurzeit noch schwächelnder Renault-Neuling Nelson Piquet jr. sichert zwar die teaminterne Vorherrschaft ab. Doch Alonso fühlt sich in seiner Rolle als Entwicklungshelfer bei den abgestürzten Franzosen sichtlich unwohl - und scheint insgeheim selbst unsicher, ob er die (Wieder-)Aufbauleistung eines Michael Schumacher bei Ferrari aufbringen kann und will.
Auch Robert Kubica hat sich gewandelt: Immer wieder hatte der BMW-Pilot 2007 mit dem Schicksal eines Teamkollegen Nick Heidfeld gehadert, der stets das glücklichere Händchen zu haben schien. Spätestens seit dem Friendly Fire auf dem Nürburgring hatten sich die beiden nichts mehr zu sagen. Nun, da Kubica zum ersten Mal seit Ungarn 2006 auf dem Podest steht, wendet sich das Blatt: Gerüchte um allzu niedrige Benzinmengen als Ursache für die verdächtig guten Qualifying-Leistungen des Polen haben sich verflüchtigt - Kubica ist in der Spitzengruppe der Formel 1 angekommen. Ob eines übermächtigen Nick Heidfeld muss sich der Krakauer nicht mehr griesgrämig zeigen. Doch auch der routinierte Deutsche hat mit Beginn der Saison nicht nur auf Grund der nun sparsameren Gesichtsbehaarung weiter deutlich an Profil gewonnen - Siegerqualitäten möchte ihm niemand mehr absprechen.
Auch für die Finnen geht es in dieser Saison weiterhin steil nach oben. Rhetorikpreise wird Kimi Räikkönen zwar auch in diesem Jahr nicht gewinnen. So beantwortet er Fragen nach neuen Tattoos wie eh und je mit alten, einsilbigen Antworten. Doch den Ruf des Pechvogels, der ihn bei McLaren-Mercedes nicht zu Unrecht ereilt hatte, hat der 28-Jährige erfolgreich abgestreift. Er legt die Konstanz an den Tag, die ihm in der Vergangenheit oft unverschuldet verwehrt blieb - und kann sich so etwas häufiger ein Lächeln abringen als einst gewohnt. Der für finnische Verhältnisse geradezu vor Temperament strotzende Heikki Kovalainen mutiert angekommen bei McLaren-Mercedes zum Toppiloten. Der einst glücklose Renault-Debütant muss sich vor Lewis Hamilton bislang nicht verstecken.
In Reihen der Spitzenpiloten - oder derer, die sich als solche betrachten - ist sich lediglich Felipe Massa treu geblieben. Wie eh und je findet sich der Brasilianer im Kiesbett wieder, um ein Rennen später wieder nach den Sternen zu greifen. Wir erinnern uns: Schon in seinem Debütjahr 2002 hatte Massa seinen damaligen Teamchef Peter Sauber wahlweise mit unnötigen Fahrfehlern zur Verzweiflung getrieben oder ihn mit lupenreinen Vorstellungen ganz im Stile seines direkten Vorgängers bei Sauber-Petronas, Kimi Räikkönen, begeistert. Was folgte, war ein zwangsverordnetes Lehrjahr als Ferrari-Testpilot - und eine Sauber-Saison 2004, in der sich verglichen mit 2002 nur wenig geändert hatte...
Vier Jahre und zwei Ferrari-Saisons später scheint der bubenhafte Massa weder optisch gealtert noch fahrerisch gereift. Ob der Cockpittausch mit einem Ferrari-Testpiloten dazu führen würde, die brillante Bahrain-Performance endlich dauerhaft zu konservieren? Es darf bezweifelt werden. Auch wenn durchaus mit Spannung erwartet werden könnte, ob aus den einst im Minardi-Cockpit eher blassen Marc Gené oder Luca Badoer im F1-Jahr der Verwandlungen Siegertypen werden könnten...